


Wann und Wo
16. Juli 2026, 19:00 – 22:00
Kulturpraline Tornow, Seestraße 3, 15755 Teupitz, Deutschland
Über die Veranstaltung
Lutz „Lüül“ Graf-Ulbrich - guitar
Axel Heilhecker - lead guitar
Tim Sund - keyboards
Daniel Cordes - bass
Burghard Rausch - drums
Der Geist der Agitation
Berlin, späte 1960er Jahre: Eine geteilte Stadt wird zum Epizentrum einer musikalischen Revolution. Inmitten der Spannungen des Kalten Krieges tritt eine Gruppe junger Klangforscher an, um die Grenzen der Rockmusik neu zu definieren. Agitation Free, 1967 gegründet, war nie nur eine Band; sie war ein Labor für „Bewegung, Unruhe und Veränderung“ – so die Definition des Wortes „Agitation“, die ihr Mentor Folke Hanfeld in einem Lexikon fand.
Diese „Live in Berlin“-Aufnahme fängt die Band in ihrem natürlichen Lebensraum ein. Während ihre Studioalben Malesch (1972) und 2nd (1973) Meilensteine des Genres sind, war die Bühne der Ort, an dem das „Free“ in ihrem Namen wirklich zum Leben erwachte. Ihre Konzerte waren avantgardistische Erlebnisse, die Flüssiglicht-Shows und Experimentalfilme mit hypnotischen, langgezogenen instrumentalen Improvisationen verbanden.
Eine Reise durch den Sound (Biografie)
Die Geschichte begann in Berlin-Charlottenburg mit den Gründungsmitgliedern Michael „Fame“ Günther, Lutz „Ludwig“ Kramer, Lutz „Lüül“ Graf-Ulbrich und Christopher Franke. Von Anfang an fungierte Agitation Free als Knotenpunkt der aufkeimenden „Berliner Schule“ der elektronischen Musik. Ihre frühen Proben im Electronic Beat Studio unter der Leitung von Thomas Kessler wurden zum Anziehungspunkt für andere Legenden wie Tangerine Dream und Ash Ra Tempel.
Das Line-up der Band war berühmt für seine Fluktuation und diente als Sprungbrett für Ausnahmetalente. Christopher Franke schloss sich später Tangerine Dream an, während Gitarrist Axel Genrich zu Guru Guru wechselte. Bis 1972 erreichte das „klassische“ Quintett – Ulbrich, Günther, Jörg Schwenke, Michael Hoenig und Burghard Rausch – internationalen Kultstatus.
Ihr Debütalbum Malesch war eine bahnbrechende „On the Road“-Platte, inspiriert von einer vom Goethe-Institut gesponserten Tournee durch Ägypten, Zypern, Libanon und Griechenland. Damit waren sie die erste deutsche Rockband, die den Nahen Osten bereiste. Es folgte 2nd, ein eher jazzorientiertes und elektronisches Meisterwerk, das ihren Ruf für klangliche Raffinesse („sonic sophistication“) festigte.
Trotz der Auflösung im Jahr 1974 verblasste die Legende von Agitation Free nie. Sporadische Reunions, wie die Konzerte in Tokio 2007 (dokumentiert auf Shibuya Nights), bewiesen, dass ihre Chemie nach wie vor explosiv war.
Die moderne Ära: Momentum und darüber hinaus
Im Jahr 2023, fast 50 Jahre nach ihrem Debüt, kehrte die Band mit dem Studioalbum Momentum triumphierend zurück. Das aktuelle Line-up – bestehend aus den Gründungsmitgliedern Lüül und Burghard Rausch sowie Michael Hoenig (der sich zwar vom Live-Betrieb zurückgezogen hat, aber „Spiritus Rector“ der Band bleibt) zusammen mit Daniel Cordes, Axel Heilhecker und Tim Sund – feiert ihre Wurzeln und nutzt gleichzeitig moderne Innovationen auf Festivals wie Burg Herzberg oder Finkenbach und 2025 beim größten italienischen Progrock Festival "2DaysProg+1".
Über das neue Album
„Live in Berlin“ ist mehr als ein Konzertdokument; es ist eine Heimkehr. Ob in den tranceartigen Grooves von „Laila“ oder den cineastischen Soundscapes ihres neuesten Materials – diese Stücke zeigen eine Band, die den Stillstand verweigert. In der Stadt, in der alles begann, bleibt Agitation Free authentisch, intensiv und bereit zur Agitation.
Seit 2024 werden die Live-Auftritte der Band durch den großartigen Visual Artist Philipp Geist aka „videogeist“ auf eine neue, immersive Ebene gehoben. Seine kongenialen Live-Visuals und Lichtinstallationen verschmelzen perfekt mit dem improvisatorischen Fluss von Agitation Free und erschaffen ein multisensorisches Erlebnis, das die lange Tradition der Band fortsetzt, experimentelle Klänge mit zukunftsweisender visueller Kunst zu vereinen.
Wie Michael Hoenig einmal feststellte, ist ihre Musik eine „Zeitmaschine, die Vergangenheit und Zukunft verbindet“. Willkommen auf dem Trip.
